Donnerstag, 12. Juli 2012

Neue Rechtschreibung - kein Problem! (3)

Das Ende der großen Verwirrung - "ß" oder "ss"?
Heute habe ich hervorquellenden Auges in meinen Blogstatistiken gelesen, dass ich beängstigend viele Klicks über die gemeinsamen Suchbegriffe "Straße, neue Rechtschreibung" bekomme. Aha ...
Also, ihr Lieben, Fans der deutschen Sprache und Gebeutelte der Rechtschreibreform, jetzt noch mal:
Die Schreibweise des Wortes "Straße" hat überraschenderweise überhaupt nichts mit neuer Rechtschreibung zu tun. "Straße" schreibt man mit "ß", man hat es vor der Rechtschreibreform mit "ß" geschrieben, und man schreibt es immer noch so. Wenn es Leute gibt, die meinen, man müsse Straße mit "ss" schreiben, dann schreiben sie es falsch, und sie haben a) sich nicht wirklich um die Rechtschreibreform gekümmert oder b) keine Ahnung von unserer Sprache. Oder sie können nicht in Wörterbüchern oder im Internet nachsehen. 
Noch einmal - und jetzt für alle: "ß" schreibt man nach einem langen Vokal, dazu gehören auch lang ausgesprochene Umlaute (ä, ö, ü) und Diphthonge oder Zwielaute (ie, ei, eu, au).
Korrekt ist also: Straße (langes A), Gruß (langes U), Grüße (langes Ü), fließen (IE = lang), fleißig (EI = lang), scheußlich (EU =lang), außen (AU = lang), Floß (langes O) usw. Hier hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert! Diese Schreibweise gilt ohne Ausnahmen, also: Der scharfe s-Laut wird im Deutschen nach langen Vokalen (inkl. langen Umlauten und Diphthongen immer (ich wiederhole: immer!) als "ß" geschrieben. 

Was hat sich also geändert? Was wurde denn hier überhaupt rechtschreibreformiert? Achtung, jetzt kommt's: Nach einem kurzen Vokal wird der scharfe s-Laut immer (ich wiederhole: immer!) mit "ss" geschrieben. Bitte jetzt mal kurz nachdenken, dann diesen Satz nochmals lesen. 

Das bedeutet: Tasse und küssen schreibt man immer schon mit "ss" (kurzer Vokal -> scharfer s-Laut = "ss") und seit 1996 (!) eben auch bisschen (kurzes I), Tässchen (kurzes Ä), Küsschen (kurzes Ü), muss (kurzes U), Fass (kurzes A). 
Also eigentlich ganz einfach. Keine Ausnahmen. Keine!
Jetzt für die Oberschlauen, die Besserwisser, die ewigen Aber-Sager: Ja, natürlich gibt es auch immer noch das einfache S, das stimmhafte (oder weiche) S, das sich beispielsweise im Kreis herumtreibt oder bei Susi, aber auch im Zeugnis und in der Erkenntnis (Endsilbe -nis in der Einzahl, -nisse in der Mehrzahl). Hier hat sich natürlich gar nichts geändert. Alles wie gehabt.

Dann wollen wir doch mal sehen, wie viele Hits ich in einem halben Jahr über "Straße, neue Rechtschreibung" bekomme! 


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke, liebe Gaby - aber "neu" ist die Rechtschreibreform nun wirklich nicht mehr. Aber vielleicht hat nach Deinem Beitrag nun auch der/die letzte verstanden, dass "Strasse" (bitte) gar nicht geht!
VG, Mandy

Gabriele Sikorski hat gesagt…

Liebe Mandy,
ganz Deiner Meinung! Und willkommen in meinem Leben: Ich treffe in meinen Kursen, ob an der Uni, an Bildungsträgern oder in meinen Workshops, ständig auf Menschen, die meinen, dass man schreiben könne, wie man gerade lustig ist, denn das sei der wesentliche Inhalt der Rechtschreibreform. Oder - auch in Dozentenkreisen und deshalb besonders peinlich: "Die Rechtschreibreform wird sowieso demnächst wieder abgeschafft."
Was Menschen sich alles ausdenken, nur um nicht dazulernen zu müssen ... Nein, die Rechtschreibreform ist wirklich nicht mehr neu. Aber es herrscht noch immer eine große Verunsicherung, und ich möchte gern was dagegen unternehmen.
Schöne Grüße
Gaby