Donnerstag, 28. Juni 2012

Berlinerisch - mir und mich

Zu Beginn der heutigen Lektion wieder ein bisschen Berliner Alltagslyrik:

Ick liebe dir, ick liebe dich,
wie't richtig is, det weeß ick nich
und is mich ooch Pomade.
Ick lieb dir nich im dritten Fall,
ick lieb dir nich im vierten Fall,
ick liebe dir uff jeden Fall.
(Volksmund, Langenscheidt Lilliput Berlinerisch, Berlin und München 2008)

Bekanntlich wird im Berlinerischen gern mal der 3. Fall (Dativ) mit dem 4. Fall (Akkusativ) verwechselt. Dafür hat man den schönen Ausdruck "Akkudativ" geschaffen, der diese Besonderheit elegant umschreibt.
Der Grund für den lässigen Umgang mit der Deklination liegt sprachwissenschaftlich in der niederdeutschen Herkunft des Berlinerischen. Daneben spielen aber auch klangliche Aspekte eine Rolle. Das Berlinerische hat - wie jeder Dialekt - einen eigenen Sprachrhythmus, und da muss die Grammatik schon mal kreativ angepasst werden.
Aber natürlich gibt es eine seriöse und glaubhafte Erklärung für die scheinbare Verwechselung von "mir" und "mich": Im Niederdeutschen wird für beide Fälle die gleiche Form des Personalpronomens verwendet. di/mi bedeutet jeweils dir/dich und mir/mich.
 

Einig ist man sich darin, dass Berliner so sprechen, wie es für sie am leichtesten ist. Deshalb überwiegt bei der Verwendung von Hauptwörtern als Objekt häufig der Akkusativ, besonders wenn er sich so prima mit einer Präposition verbinden lässt, wie z. B. in: "Wat issen mitte Waschmaschine?" So entstehen durch das Zusammenziehen von Präpositionen und Artikeln neue Wörter: anne, inne, mitte, uffe, vonne ... in der männlichen Form mit angehängtem N: Er fährt mitten Fahrrad.
Sobald ein Personalpronomen den Artikel ersetzt, kann man durch Verwendung des Akkusativs immerhin noch ein R sparen: "Wat issen mit meene Waschmaschine?" Berlinern ist nun einmal eine schnelle Sprache, da kommt es auf jeden Buchstaben an!
Gelegentlich verwechselt der Berliner Fälle absichtlich. "Wat? Wer? Mir?" - Das ist vollkommen übertrieben, hört sich aber für Berliner Ohren durchaus akzeptabel an, um nicht zu sagen: ulkich.
Zusammenfassend kann man also feststellen: Der Berliner sagt immer "mir", ooch wenn't richtich is!



Sonntag, 24. Juni 2012

Sprachgeschluder VII

Facebook verwöhnt mich wieder mit personalisierter Werbung und einer besonders gelungenen Überschrift neben dem Heidi-Klum-Foto: 
'Hauen 9 kg, in 14 Tag' 
Aha.
Liebe Leute, wenn ihr schon angeblich auf mich zugeschnittene Angebote ins Netz stellen wollt, dann müsstet ihr doch auch wissen, dass ich nicht nur ein großer Fan der deutschen Sprache, sondern auch unerbittlich pingelig bin, was den Umgang mit Rechtschreibung, Zeichensetzung, Syntax und Grammatik betrifft. Alles andere ist für mich unseriös. Und nebenbei, also echt mal: 9 Kilo in 14 Tagen ... wie doof muss man sein, um das zu glauben!

Dienstag, 19. Juni 2012

Sprachgeschluder VI

Heute: Das BlaBlaMeter
Eine schöne Idee zur Verhinderung von Sprachschludereien und Schreibdummfug - endlich kann man selbst erkennen, wie viel Blödsinn in einem Text steckt. Auch mal Lektor spielen? 
Na gut, dann wollen wir mal nicht so sein ...

Auf dieser Seite  
http://www.blablameter.de/ findet man ein Textfeld, in das man einen beliebigen Text hineinkopieren kann und - ruppeldizupf - wird der Bullshit-Index ausgerechnet.

Ich würde diese Seite natürlich nicht empfehlen, wenn ich sie nicht ausprobiert hätte. Nachdem ich mehrere Filmkritiken aus den letzten Monaten eingegeben habe, kann ich erleichtert sagen: Puuh! Bullshit-Index bei durchschnittlich 0,7 (in Worten: null Komma sieben). Das hört sich ziemlich gut an.

Also: einfach mal ausprobieren! 



Mittwoch, 13. Juni 2012

Neues zum Sommerfest in der Cranachstraße!

Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, gibt es zum Sommerfest am 16. Juni - ab 14:00 Uhr in der Berliner Cranachstraße am S-Bahnhof Friedenau - nicht nur ein prachtvolles Seifenkistenrennen, sondern auch Getränke und Speisen, darunter jede Menge selbst gebackenen Kuchen von fleißigen Kiezbäckerinnen und -bäckern, unter anderem aus der Friedenauer Schreibstube, die am Freitagabend zur Backstube mutieren wird.

Weitere Sensationen: Live-Musik, ein buntes Bühnen- und Theaterprogramm für große und kleine Gäste, eine Kinderspielecke sowie zahlreiche Trödelstände.
Wir sind gespannt und freuen uns auf einen schönen Tag!



So schön war's 2011 - Foto mit freundlicher Genehmigung von www.duererkiez.de