Sonntag, 14. Juli 2013

Neue Rechtschreibung? - Kein Problem

Jetzt langt's! 
Hier kommt: ß oder ss - die ultimative Regelerklärung
Merkwürdigerweise denken immer noch viele, dass mit der Rechtschreibreform auch das ß abgeschafft wurde. Warum eigentlich? Ich habe noch keine vernünftige Erklärung dafür gefunden. Das ß ist jedenfalls immer noch quicklebendig. Aus aktuellem Anlass - ich erhielt mal wieder herzliche Grüsse aus der Yorckstrasse - gibt es hier nochmal eine leicht fassliche (!) Erklärung.

Fangen wir mal von vorne an: In der deutschen Sprache kann der scharfe s-Laut - und nur um diesen geht es hier - durch ß oder ss ausgedrückt werden.

Auf einen langen Vokal (a, e, i, o, u und die Umlaute ä, ö, ü) folgt ß. Dies war und ist die Regel. Deshalb schreibt man: Stre, Grüße, Gr, F, Stoß, bl. Als ebenfalls lange Vokale gelten die Doppelvokale, die auch Zwielaute oder - wenn man angeben möchte - Diphthonge genannt werden. Nicht zu verwechseln mit der Diphtherie, die deutlich unangenehmer ist als ein Diphthong. Auf Doppelvokale (ie, ei, au, eu) folgt ebenfalls ß als scharfer s-Laut. Deshalb schreibt man z. B. folgende Wörter mit ß: schließen, heiß, außen und das scheußliche Wort scheußlich.

Wer nun auf diese Beschreibung und auf die dazugehörigen Wörter blickt, stellt erfreut fest: Hier hat sich ja gar nix geändert. Rrrrichtig! Auch wenn gefühlte 65 Prozent aller Deutschen inzwischen Straße und Grüße falsch schreiben - nach einem langen Vokal steht nach wie vor ß. Ganz einfach.


Nun zum ss. Nicht ganz überraschend folgt es auf einen kurzen Vokal. Deshalb heißt es: Tasse, müssen, Risse, Schlösser, küssen und messen.
Nanu!, höre ich es raunen. Da hat sich ja schon wieder nix geändert. Stimmt! Denn diese Regel - nach kurzem Vokal folgt ss - gibt es ebenfalls schon seit Anno Tuck. Was aber ist dann neu an der Rechtschreibung von ß und ss? 
Ganz einfach: Man hat eine Ausnahmeregel abgeschafft, und die lautete: Am Silbenende und am Wortende schreibt man ß. Die deutsche Sprache sollte logischer werden und leichter erlernbar. Es gibt also keine Ausnahme mehr: Nach einem kurzem Vokal wird immer ss geschrieben, nach langem Vokal immer ß.
Wir schreiben Schloss, weil das o kurz ist, also auch: bisschen, dass (wenn es nicht mit einem einfachen s geschrieben wird - dazu bei Gelegenheit mehr!), Kuss und Stuss, Bass und Pass, müsste und müsst, lasst und lässt und natürlich: Floß und floss, goss und groß. Keine Ausnahme mehr! Auf den kurzen Vokal folgt als scharfer s-Laut zwingend ss, auf den langen das ß.

Alles klar? - Alles klar!
Schöne Sonntagsgrüße!







Kommentare:

oachkatz hat gesagt…

Wie auch in diesem Fall finde ich ja einige sehr sinnvolle Verbesserungen in der Neuen Rechtschreibung. 'Grüsse' lassen sich aber auch erklaeren durch die Globalisierung durch digitales Schrifttum, gehoert das ß, wie die Umlaute ja auch, zu den Zeichen, die nicht immer verlaesslich beim Empfaenger ankommen ;-)

Gabriele Sikorski hat gesagt…

Hallo, Oachkatz, und danke für Deinen Kommentar! Was Du beschreibst, ist ein wichtiger Aspekt, der allerdings vorrangig wenig mit Rechtschreibung zu tun hat. Dafür muss man gar nicht weit fahren: In der Schweiz wird bekanntlich auch kein "ß" verwendet. Erklären lässt sich vieles, aber die meisten schreiben nach meiner Erfahrung als Dozentin und Lehrbeauftragte "ss" statt "ß" aus Unsicherheit über das Regelwerk.

6Kraska6 hat gesagt…

Eine schöne konzise Darstellung!

Gabriele Sikorski hat gesagt…

Vielen Dank für das Kompliment, lieber, verehrter Meister!

St. Eck hat gesagt…

Sehr geehrte Frau Sikorski,

ja, man kann sich seit mehr als zehn Jahren über Fehlschreibungen ärgern, die es in diesem Ausmaß vorher nicht gegeben hat. Umso mehr freut es mich, wenn jemand den Windmühlenkampf immer noch nicht scheut, wie Sie mit Ihrer „ultimativen Regelerklärung“. Aber Achtung, so klar und logisch, wie Sie meinen, ist es nicht. Sie sagen: „Es gibt also keine Ausnahme mehr: Nach einem kurzem Vokal wird immer "ss" geschrieben, nach langem Vokal immer "ß".“

Und vergessen hinzuzufügen: wenn nach dem Vokal in herkömmlicher Rechtschreibung ß oder ss stand.

Wir schreiben jetzt „Nuss“ oder „Hass“, aber immer noch „Lust“ und „was“. Und mit langem Vokal „Ruß“ und „Maß“, aber „Mus“ und „las“. Nicht „Lusst“, „wass“, „Muß“, „laß“.

Jedenfalls noch nicht – kann natürlich sein, dass irgendwann jemand die deutsche Sprache noch logischer und noch leichter erlernbar machen möchte ... dem Fehleranstieg zum Trotz, den die Rechtschreibreform von 1996 verursacht hat.

Freundliche Grüße
St. Eck

Gabriele Sikorski hat gesagt…

Liebe/lieber St.Eck,
vielen Dank für den Kommentar. Tatsächlich ist die Sache ziemlich einfach. Siehe Text: "Fangen wir mal ganz von vorne an: In der deutschen Sprache kann der scharfe s-Laut - und nur um diesen geht es hier - durch "ß" oder "ss" ausgedrückt werden." Und vergessen habe ich natürlich nix, denn es gibt keine Ausnahmen von der dargestellten Regel.
Was vielen nicht bewusst ist: Im Deutschen gibt es den scharfen s-Laut (stimmlos, dargestellt durch "ß" oder "ss") und das weiche S (stimmhaft,einfaches S). Zur Unterscheidung gibt es hier einen interessanten Artikel, der auch die etymologischen Hintergründe behandelt: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9F
Alles klar? - Alles klar!
Schöne Grüße aus der Schreibstube
Gabriele Sikorski

ChrisZ hat gesagt…

Hallo! Ist doch eigentlich ganz einfach :) Ich hatte mit Grammatik/Rechtschreibung - GsD - kaum Probleme. Aber dennoch: gut erklärt!